Bildautoren: Franziska, Jonas, Klaus
Bericht: Klaus
Die Fahrt in die Alpen für meine Fortbildung sollte sich für mich als "Norddeutscher" lohnen und etwas Hüttenwandern wäre sicher mal interessant. Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? So hatte ich mich also zu der JL-Fortbildung "No Limits mobil" angemeldet. Eine Woche lang Bergwandern mit Behinderten. Natürlich bin ich mit gemischten Gefühlen los gefahren. Die Sache könnte sicher etwas anstrengend werden. Nicht in alpinistischer Hinsicht, sondern eher in führungstechnischer und vor allem in psychischer. Wir Jugendleiter ("Teilnehmer ohne sichtbare Behindertung" wie uns Eberhard, der Initiator des Programms sehr treffend bezeichnet hatte) sollten schließlich bei der Betreuung der Behinderten mithelfen. Für die Teilnehmer mit Behinderung war die Fahrt im Jugendkursprogramm des DAV ausgeschrieben. Nachdem Eberhard gesundheitlich angeschlagen war, ist Franziska (Frizi) eingesprungen und leitete zusammen mit unserem Bergführer Thomas die Fahrt. Unsere beiden Teamer hatten reichhaltige Erfahrung im Umgang mit Behinderten. Von den Jugendleitern hatte Simone als Sonderpädagogin ebenfalls schon Menschen mit Behinderung betreut.
| Ein Teil der "Teilnehmer ohne sichtbare Behindertung" ist bereits am Samstag angereist. Wir unternahmen am Sonntag, bevor der Rest unserer Gruppe eintraf, eine kleine Tour durch den Tobel auf den Hirschberg. So konnten wir uns kennenlernen und Thomas auf der relativ anspruchsvollen Wanderung sehen, wie es mit unserer Bergfestigkeit steht. | |
| Unterwegs übten wir auch verschiedene Möglichkeiten zur Hilfestellung für Behinderte Menschen auf einer Bergwanderung. | |
| Ausgangspunkt unserer Tour war Rieder oberhalb des Alpsees bei Immenstadt. Bis dorthin wurden wir mit den Kleinbussen der Jugendbildungsstätte gefahren | |
| Thomas telefoniert noch einmal mit Eberhard und dann gehen wir los, unseren kleinen Abenteuern entgegen... |
|
| Für die nächsten Tage galt das Tandem-Prinzip. Ein Behinderter sollte einen Tag lang von einem Teilnehmer ohne sichtbare Behinderung betreut werden, wobei die Partner jeden Tag wechseln. Nachdem wir ein Verhältnis von sechs Behinderten zu sieben Betreuern hatten (unsere beiden Teamer sollten außen vor bleiben), gab es auch ein "Tridem". Eigentlich war vorgesehen, dass für jeden der Behinderten zwei Betreuer zur Verfügung stehen, da sich aber zu wenige nicht-Behinderte angemeldet hatten, war dies nicht möglich. Wie sich herausstellt, ergeben sich hieraus aber keine großen Probleme. Nachdem wir eine Gruppe sind, können wir uns gegenseitig aushelfen und bei Bedarf gehen natürlich auch Frizi und Thomas zur Hand. | |
| Das erste Etappenziel ist das Kemptner Naturfreundehaus. Nach einigen Höhenmetern verlassen wir den asphaltierten Fahrweg und es geht auf einem schönen Wanderweg weiter. Unterwegs läd ein Bach zu einer längeren Rast ein. | |
| Eines der Tandems am heutigen Tag. Mareike und Marco im Aufstieg zum Kemptner Naturfreundehaus. | |
| Christine und Frizi | |
| In einem Wäldchen unterhalb des Kemptner Naturfreundehauses ist eine kurze Rast im Schatten angesagt. Nachdem Christine und ich uns darüber unterhalten hatten, dass wir beide die ältesten Teilnehmer sind, erklären wir einen Baustamm zum Altersruhesitz für die Ü30 Teilnehmer. Wir bilden hier zusammen mit Simone den Altenbeirat der Gruppe :-) | |
| Das Kemptner Naturfreundehaus ist schon zur Mittagszeit erreicht und wir machen zunächst einmal Brotzeit oder legen uns in die Sonne. | |
| Sebastian unser Sunnyboy, der hier auf der Terasse des Naturfreundehauses herumlümmelt, ist übrigens breits Teilnehmer bei den special olympics im Snowboardfahren gewesen. | |
| Eine Schaukel, eine Wippe und die Tischtennisplatte laden aber auch zum Spielen und zu sportlicher Betätigung ein. | |
| Thomas hat ein Seil dabei, so dass wir zusammen in der Gruppe etwas spielen können. Hier gilt es gemeinsam den "gordischen Knoten" zu entwirren... | |
|
|
Recht lustig wird es, als wir uns bunt gemischt auf einen Baustamm stellen und dann, ohne den Boden zu berühren, dem Alter nach sortieren sollen, nebenbei eine gute Gleichgewichtsübung. |
| Wir wollen noch etwas Wandern und so spazieren wir nach dem Nachmittagskaffee auf das nahe gelegene Gschwender Horn | |
| Am nächsten Tag gibt es vor dem Abmarsch noch ein Gruppenfoto zusammen mit den Wirtsleuten. | |
| Wir stellen bald fest, dass uns der Weg zum nächsten Ziel, der Alpe Gund, zu Kurz ist, daher planen wir noch eine kleine Schleife ein, die uns zurück zum Naturfreundehaus führen soll. War zunächst das Wetter herrlich, trübt es sich zunehmend ein. | |
| Unterwegs werden die Kühe auf der Weide gestreichelt. Besonders Finn ist begeistert. Im weiteren Verlauf der Tour stellen wir fest, dass er den Umgang mit den Tieren besonders mag. Auf den Almen, auf denen wir übernachten, sehen wir zunächst in den Stall wenn wir Finn suchen. | |
| Wir sitzen einen Schauer auf dem Kemptner Naturfreundehaus aus und wechseln endlich hinüber zur Gund Alm. Die Hütte ist sehr urig. Am Ende der Woche ist unsere einhellige Meinung, dass dies die schönste Unterkunft war. Unterwegs hat es noch einmal leicht geregnet und wir hängen unsere Jacken in den Stall durch den die Wohnräume zu erreichen sind. | |
| Weiter geht es, in Richtung auf den ersten Höhepunkt der Tour, den Stuiben. Auf dem kleinen Fahrweg gewinnen wir rasch an Höhe und lassen unsere Alm unter und hinter uns. | |
| Schließlich ist der Gipfel des Stuiben erricht, wo es wieder eine ausgiebige Gipfelrast mit Schauen und Staunen gibt. | |
| An der Hand seines heutigen Tandems Tobias wagt unser Nordlicht Finn einen Blick in die Gipfelwand des Stuiben. | ![]() |
| Simone und Finn orientieren sich an der Tafel neben dem Stuibengipfel. | |
| Wir gehen ein kurzes Stück den Aufstiegsweg zurück, dann beginnt der anspruchsvolle Teil des Stuibenabstiegs durch die Südflanke hinab ins Gunzesrieder Tal. | |
| Wir sind nun immer wieder gefordert kleine Hilfestellungen zu geben. Für nicht so trittsichere Menschen ist dieser Abstieg schon eine echte Herausforderung. Schließlich ist das Erweitern der eigenen Grenzen auch das erklärte Ziel dieser Woche, eben "no Limits". Selbständigkeit erlangen, neue Horizonte erschließen, über sich hinaus wachsen aber auch die Barrieren zwischen Menschen mit und ohne sichtbare Behinderung überwinden. | |
| < |
|
| Auch auf dieser Tour kommen wir mit weidenden Kühen in Berührung. Für einige Teilnehmer, ob mit oder ohne sichtbare Behinderung ist diese Begegnung spannend. Die Annäherung erfolgt eher vorsichtig. Hier können neue, interessante Erfahrungen gewonnen werden. | |
| An der Ornachalm finden wir einen herrlichen Rastplatz unter alten Ahornbäumen. Zeit für eine ausgedehnte Mittagspause. | |
| Nach einem Gegenanstieg ist unser heutiges Tagesziel, die Mittelbergalm erreicht. Wir hatten, je nach Leistungsfähigkeit, zwei verschiedene Anstiege hier herauf gewählt. In der sportlicheren Gruppe rannten Markus, Sebastian, Manuel und Finn uns fast davon. Den Teilnehmern ohne sichtbare Behinderung lief der Schweiß in Strömen von der Stirn... Diese Alm war wieder etwas besonderes. Finn konnte sich gar nicht losreisen von den Kühen und wollte abends auch mithelfen die Kühe in den Stall zu bringen... Ganz besonders hatten es ihm natürlich die Kälber angetan. | |
| Wir mussten uns auf der Hütte selbst versorgen. Die Zutaten für das Essen hatte uns Eberhard mit dem Auto heraufgebracht, es galt aber noch zu Kochen. Besonders Manuel hat sich darüber gefreut, dass er mithelfen durfte. Er war ganz stolz, dass er "auch etwas kann". | |
| Natürlich saßen wir, wie jeden Abend fröhlich und gesellig zusammen zum Essen, Spielen und Unterhalten. Die Abende wurden für uns Jugendleiter so auch zu einer Fortbildung "Spiele auf der Hütte". Nach dieser Woche hatte ich Bauchmuskelkater, ob der wohl vom vielen Lachen kommt? | |
| Ein Stück Selbständigkeit in den Dingen des täglichen Lebens vermitteln, war eines der Ziele für uns Betreuer. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist das Thema "Schuhebinden". Mareike leitet hier ihren Tandempartner Marco an. | |
| Wir verlassen die Mittelbergalm auf dem Weg zum nächsten Abenteuer, der Überschreitung von Ostertalberg, Dreifahnenkopf, Grauenstein und Riedbergerhorn hinüber zur Oberen Mittelalm. Größtenteils auf schmalen, teilweise steilen Bergwegen, auch dies eine interessante Herausforderung für die Teilnehmer. |
|
| Schließlich ist der Gipfel des Riedbergerhorns erreicht, wo es eine ausgiebige Gipfelrast gibt. Heute ist es besonders warm und der Weg war lange und anspruchsvoll, so dass wir uns diese Rast wirklich verdient haben. | ![]() |
| Schließlich steigen wir ab zur Oberen Mittelalm, wo wir übernachten. Am nächsten Tag ist das Wetter trüb und etwas neblig, so dass wir nur noch nach Grasgehren absteigen. Der Nachmittag wird auf der Jugendbildungsstätte zum Spielen genutzt. Drahtseile und eine Slackline bieten sich zum balancieren an. Abends wird dann noch etwas gefeiert, bevor wir am Samstag nach einer ereignisreichen und vor allem sehr schönen Woche wieder nach Hause fahren. | |
Was ich an der Woche bemerkenswert fand? Vor allem, dass es eine sehr schöne und letztlich erholsame Woche war. Eigentlich war es ein ganz normaler Jugendgruppen-Ausflug. Sich gegenseitig etwas zu helfen, halte ich bei einer Gruppenfahrt für selbstverständlich und der Umgang mit den Behinderten hat sich als viel einfacher herausgestellt, als zunächst vermutet. Nachdem ich noch kein Vater bin und meist mit eher älteren Jugendlichen, so ab 12 Jahren, unterwegs bin, war es etwas ungewohnt für mich, auf solch grundlegende Sachen zu achten, wie darauf, dass niemand friert, genügend gegessen und getrunken wird oder jemanden zu fragen, ob es etwa einmal auf Toilette muss. Andererseits war es ja auch unser Ziel nur soviel zu helfen wie nötig um die Selbständigkeit der Teilnehmer zu fördern. Auf diese Weise habe ich aber auch etwas gelernt, für meine Arbeit als Jugendleiter. Insgesamt bin ich noch etwas sensibler für die Bedürfnisse ander Gruppenmitglieder und eventuell auftretende Schwierigkeiten geworden.
Wir haben uns alle zusammen über unsere Erfolge gefreut, waren zusammen unterwegs, haben uns unterhalten, zusammen gespielt, gelacht und gemeinsam unseren Spaß gehabt.