Bildergalerie von der Jugendleiter-Fortbildung "No Limits mobil" 2007

Bildautoren: Franziska, Jonas, Klaus
Bericht: Klaus

Die Fahrt in die Alpen für meine Fortbildung sollte sich für mich als "Norddeutscher" lohnen und etwas Hüttenwandern wäre sicher mal interessant. Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? So hatte ich mich also zu der JL-Fortbildung "No Limits mobil" angemeldet. Eine Woche lang Bergwandern mit Behinderten. Natürlich bin ich mit gemischten Gefühlen los gefahren. Die Sache könnte sicher etwas anstrengend werden. Nicht in alpinistischer Hinsicht, sondern eher in führungstechnischer und vor allem in psychischer. Wir Jugendleiter ("Teilnehmer ohne sichtbare Behindertung" wie uns Eberhard, der Initiator des Programms sehr treffend bezeichnet hatte) sollten schließlich bei der Betreuung der Behinderten mithelfen. Für die Teilnehmer mit Behinderung war die Fahrt im Jugendkursprogramm des DAV ausgeschrieben. Nachdem Eberhard gesundheitlich angeschlagen war, ist Franziska (Frizi) eingesprungen und leitete zusammen mit unserem Bergführer Thomas die Fahrt. Unsere beiden Teamer hatten reichhaltige Erfahrung im Umgang mit Behinderten. Von den Jugendleitern hatte Simone als Sonderpädagogin ebenfalls schon Menschen mit Behinderung betreut.

Ein Teil der "Teilnehmer ohne sichtbare Behindertung" ist bereits am Samstag angereist. Wir unternahmen am Sonntag, bevor der Rest unserer Gruppe eintraf, eine kleine Tour durch den Tobel auf den Hirschberg. So konnten wir uns kennenlernen und Thomas auf der relativ anspruchsvollen Wanderung sehen, wie es mit unserer Bergfestigkeit steht. Blick vom Hirschberg auf Bad Hindelang mit der Jugendbildungsstätte und Bad Oberdorf
Unterwegs übten wir auch verschiedene Möglichkeiten zur Hilfestellung für Behinderte Menschen auf einer Bergwanderung. Franziska beobachtet kritisch, wie Tobias von Simone geführt absteigt.
Ausgangspunkt unserer Tour war Rieder oberhalb des Alpsees bei Immenstadt. Bis dorthin wurden wir mit den Kleinbussen der Jugendbildungsstätte gefahren Am Start in Rieder
Thomas telefoniert noch einmal mit Eberhard und dann gehen wir los, unseren kleinen Abenteuern entgegen...
Wir melden uns bei Eberhard abmarschbereit.
Zunächst geht es auf einem geteerten Fahrweg bergauf.
Für die nächsten Tage galt das Tandem-Prinzip. Ein Behinderter sollte einen Tag lang von einem Teilnehmer ohne sichtbare Behinderung betreut werden, wobei die Partner jeden Tag wechseln. Nachdem wir ein Verhältnis von sechs Behinderten zu sieben Betreuern hatten (unsere beiden Teamer sollten außen vor bleiben), gab es auch ein "Tridem". Eigentlich war vorgesehen, dass für jeden der Behinderten zwei Betreuer zur Verfügung stehen, da sich aber zu wenige nicht-Behinderte angemeldet hatten, war dies nicht möglich. Wie sich herausstellt, ergeben sich hieraus aber keine großen Probleme. Nachdem wir eine Gruppe sind, können wir uns gegenseitig aushelfen und bei Bedarf gehen natürlich auch Frizi und Thomas zur Hand. Christine und Markus, zwei unserer Teilnehmer mit (sichtbarer) Behinderung
Das erste Etappenziel ist das Kemptner Naturfreundehaus. Nach einigen Höhenmetern verlassen wir den asphaltierten Fahrweg und es geht auf einem schönen Wanderweg weiter. Unterwegs läd ein Bach zu einer längeren Rast ein. Rast am Bach
Sebastian hat Mareike sofort in sein Herz geschlossen Manuel und Thomas
Eines der Tandems am heutigen Tag. Mareike und Marco im Aufstieg zum Kemptner Naturfreundehaus. Mareike, Jugendleiterin aus Berlin, und ihr Tandempartner Marco aus Starnberg
Christine und Frizi Christine und Franziska
In einem Wäldchen unterhalb des Kemptner Naturfreundehauses ist eine kurze Rast im Schatten angesagt. Nachdem Christine und ich uns darüber unterhalten hatten, dass wir beide die ältesten Teilnehmer sind, erklären wir einen Baustamm zum Altersruhesitz für die Ü30 Teilnehmer. Wir bilden hier zusammen mit Simone den Altenbeirat der Gruppe :-) Nach unserem 'Chef' Thomas sind wir die drei Ältesten in der Gruppe...
Das Kemptner Naturfreundehaus ist schon zur Mittagszeit erreicht und wir machen zunächst einmal Brotzeit oder legen uns in die Sonne. Sebastian und Mareike
Sebastian unser Sunnyboy, der hier auf der Terasse des Naturfreundehauses herumlümmelt, ist übrigens breits Teilnehmer bei den special olympics im Snowboardfahren gewesen. Sebastian unser 'cooler' Olympionike erweist sich auch unterwegs als sportlich-fit
Eine Schaukel, eine Wippe und die Tischtennisplatte laden aber auch zum Spielen und zu sportlicher Betätigung ein. Finn und Markus auf der Schaukel
Tobias, Kathrin und Finn beim Wippen Tobias und sein Tandem Manuel beim Tischtennisspielen
Thomas hat ein Seil dabei, so dass wir zusammen in der Gruppe etwas spielen können. Hier gilt es gemeinsam den "gordischen Knoten" zu entwirren... Bekommen wir den Knoten auf?
Die Gruppe durch ein Seil verbunden vor dem Naturfreundehaus... Recht lustig wird es, als wir uns bunt gemischt auf einen Baustamm stellen und dann, ohne den Boden zu berühren, dem Alter nach sortieren sollen, nebenbei eine gute Gleichgewichtsübung.
Die unsortierten Teilnehmer
Hier sind wir nach aufsteigendem Alter sortiert, warum stehe ich nur so weit rechts...? Von links: Finn, Mareike, Kathrin, Markus, Marco, Jonas, Tobias, Sebastian, Manuel, Silvia, Simone, Christine, Klaus und Thomas. Franziska steht hinter der Kamera :-))
Wir wollen noch etwas Wandern und so spazieren wir nach dem Nachmittagskaffee auf das nahe gelegene Gschwender Horn Gipfelfoto am Gschwender Horn. Neben der Fotografin Franziska fehlt noch Silvia.
Am nächsten Tag gibt es vor dem Abmarsch noch ein Gruppenfoto zusammen mit den Wirtsleuten. Gruppenfoto zusammen mit dem Hüttenteam vor dem Naturfreundehaus
Gemütlich unterwegs zwischen Naturfreundehaus und Gund Alm Wir stellen bald fest, dass uns der Weg zum nächsten Ziel, der Alpe Gund, zu Kurz ist, daher planen wir noch eine kleine Schleife ein, die uns zurück zum Naturfreundehaus führen soll. War zunächst das Wetter herrlich, trübt es sich zunehmend ein.
Thomas plant mit uns eine alternative Tour Unterwegs werden die Kühe auf der Weide gestreichelt. Besonders Finn ist begeistert. Im weiteren Verlauf der Tour stellen wir fest, dass er den Umgang mit den Tieren besonders mag. Auf den Almen, auf denen wir übernachten, sehen wir zunächst in den Stall wenn wir Finn suchen.
Finn ist in seinem Element, er darf eine Kuh streicheln Die anderen sehen interessiert zu, wie Finn die Kuh streichelt.
Wir sitzen einen Schauer auf dem Kemptner Naturfreundehaus aus und wechseln endlich hinüber zur Gund Alm. Die Hütte ist sehr urig. Am Ende der Woche ist unsere einhellige Meinung, dass dies die schönste Unterkunft war. Unterwegs hat es noch einmal leicht geregnet und wir hängen unsere Jacken in den Stall durch den die Wohnräume zu erreichen sind. Unsere nassen Sachen beim Trocknen im Stall der Gund Alm
Auf der Gundalm Am nächsten Tag, beim Abmarsch von der Gund Alm, wieder bei strahlendem Sonnenschein
Weiter geht es, in Richtung auf den ersten Höhepunkt der Tour, den Stuiben. Auf dem kleinen Fahrweg gewinnen wir rasch an Höhe und lassen unsere Alm unter und hinter uns. Blick zurück auf die Gundalm und hinunter ins Illertal bei Sonthofen
Simone und Marco laufen vorne weg Auf dem Weg zum Gipfel des Stuiben
Der Abzweig unterhalb des Stuibengipfels, bis hier her müssen wir später wieder zurück Am aussichtsreichen Gipfelgrat des Stuiben
Die letzten Meter vor dem Stuibengipfel Marco und Simone im Aufstieg
Schließlich ist der Gipfel des Stuiben erricht, wo es wieder eine ausgiebige Gipfelrast mit Schauen und Staunen gibt. Die Gruppe am Gipfel des Stuiben
Gipfelrast am Stuiben Sebastian und Franziska
Thomas bezieht die Teilnehmer immer in die weitere Planung der Tour ein. Am Gipfel des Stuiben
Thomas erklärt Finn das Panorama vom Gipfel des Stuiben Markus, Franziska und Sebastian
An der Hand seines heutigen Tandems Tobias wagt unser Nordlicht Finn einen Blick in die Gipfelwand des Stuiben. Finn und Tobias
Simone und Finn orientieren sich an der Tafel neben dem Stuibengipfel. Simone und Finn
Kathrin und Finn am Stuibengipfel Manuel und Jonas auf dem Stuiben
Silvia und Christine genießen den Ausblick vom Gipfel Wir gehen ein kurzes Stück den Aufstiegsweg zurück, dann beginnt der anspruchsvolle Teil des Stuibenabstiegs durch die Südflanke hinab ins Gunzesrieder Tal.
Nun geht es wieder hinunter Wir sind nun immer wieder gefordert kleine Hilfestellungen zu geben. Für nicht so trittsichere Menschen ist dieser Abstieg schon eine echte Herausforderung. Schließlich ist das Erweitern der eigenen Grenzen auch das erklärte Ziel dieser Woche, eben "no Limits". Selbständigkeit erlangen, neue Horizonte erschließen, über sich hinaus wachsen aber auch die Barrieren zwischen Menschen mit und ohne sichtbare Behinderung überwinden.
Christine mit Thomas und Silvia Simone hilft Marco
<Simone und Marco Tobias und Markus
Auch auf dieser Tour kommen wir mit weidenden Kühen in Berührung. Für einige Teilnehmer, ob mit oder ohne sichtbare Behinderung ist diese Begegnung spannend. Die Annäherung erfolgt eher vorsichtig. Hier können neue, interessante Erfahrungen gewonnen werden. Marco begegnet einer Kuh
Marco ist dem großen Tier gegenüber noch etwas vorsichtig, aber auch Teilnehmer ohne sichtbare Behinderung nähern sich den Kühen eher zögerlich. Finn ist hier natürlich wieder total begeistert.
An der Ornachalm finden wir einen herrlichen Rastplatz unter alten Ahornbäumen. Zeit für eine ausgedehnte Mittagspause. Der ideale Rastplatz
Finn ist noch nicht ganz ausgelastet und er spielt daher 'Gewichtheber' mit einem morschen Ast. Finn als Schauspieler
Nach einem Gegenanstieg ist unser heutiges Tagesziel, die Mittelbergalm erreicht. Wir hatten, je nach Leistungsfähigkeit, zwei verschiedene Anstiege hier herauf gewählt. In der sportlicheren Gruppe rannten Markus, Sebastian, Manuel und Finn uns fast davon. Den Teilnehmern ohne sichtbare Behinderung lief der Schweiß in Strömen von der Stirn... Diese Alm war wieder etwas besonderes. Finn konnte sich gar nicht losreisen von den Kühen und wollte abends auch mithelfen die Kühe in den Stall zu bringen... Ganz besonders hatten es ihm natürlich die Kälber angetan. Finn versucht eine Kuh anzutreiben
Finn bei den Kälbern Wir mussten uns auf der Hütte selbst versorgen. Die Zutaten für das Essen hatte uns Eberhard mit dem Auto heraufgebracht, es galt aber noch zu Kochen. Besonders Manuel hat sich darüber gefreut, dass er mithelfen durfte. Er war ganz stolz, dass er "auch etwas kann".
Manuel beim Karottenschälen... ... und als Koch am Herd
Unter den kritischen Augen der Gruppe wird das Gemüse zum Reis gegeben Natürlich saßen wir, wie jeden Abend fröhlich und gesellig zusammen zum Essen, Spielen und Unterhalten. Die Abende wurden für uns Jugendleiter so auch zu einer Fortbildung "Spiele auf der Hütte". Nach dieser Woche hatte ich Bauchmuskelkater, ob der wohl vom vielen Lachen kommt?
Abends musste natürlich auch der Durst gelöscht werden... Ein Stück Selbständigkeit in den Dingen des täglichen Lebens vermitteln, war eines der Ziele für uns Betreuer. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist das Thema "Schuhebinden". Mareike leitet hier ihren Tandempartner Marco an.
Mareike und Marco Mareike gibt Hilfestellung beim Schuhebinden
Wir verlassen die Mittelbergalm auf dem Weg zum nächsten Abenteuer, der Überschreitung von Ostertalberg, Dreifahnenkopf, Grauenstein und Riedbergerhorn hinüber zur Oberen Mittelalm. Größtenteils auf schmalen, teilweise steilen Bergwegen, auch dies eine interessante Herausforderung für die Teilnehmer.
Hier schreitet Thomas unser Bergführer einmal voraus
Marco und Tandempartner Mareike
Der Weg wird schmaler und anspruchsvoller Wir queren einen steilen Wiesenhang auf schmalem Pfad
Auch hier ist der Weg für die Teilnehmer teilweise recht anspruchsvoll. Der Blick geht zurück zur Mittelbergalm und zum Stuiben
Schließlich ist der Gipfel des Riedbergerhorns erreicht, wo es eine ausgiebige Gipfelrast gibt. Heute ist es besonders warm und der Weg war lange und anspruchsvoll, so dass wir uns diese Rast wirklich verdient haben. Auf dem Riedbergerhorn
Die Aussicht von hier auf den Allgäuer Hauptkamm und die Berge rings herum ist besonders beeindruckend, so dass wir uns begeistert umsehen. Manuel ist wohl noch immer nicht ausgelastet und macht daher ein paar Liegestützen vor der Bergkulisse.
Aber auch das in der Sonne liegen ist für Manuel und Sebastian ganz angenehm. Am Gipfel des Riedbergerhorns
Abstieg vom Riedbergerhorn Schließlich steigen wir ab zur Oberen Mittelalm, wo wir übernachten. Am nächsten Tag ist das Wetter trüb und etwas neblig, so dass wir nur noch nach Grasgehren absteigen. Der Nachmittag wird auf der Jugendbildungsstätte zum Spielen genutzt. Drahtseile und eine Slackline bieten sich zum balancieren an. Abends wird dann noch etwas gefeiert, bevor wir am Samstag nach einer ereignisreichen und vor allem sehr schönen Woche wieder nach Hause fahren.
Thomas, Christine und Tobias warten auf den zweiten Kleinbuss der Jugendbildungsstätte Eine Möglichkeit das Gehen auf der Slackline zu üben, allerdings etwas 'personalintensiv'. Vier Helfer stabilisieren durch am Klettergurt befestigte Bandschlingen.
Mareike gerät in Schieflage Während die Jugendleiter verschiedenes auf der Slackline ausprobieren, genügt es Christine mit etwas Unterstützung auf dem Drahtseil zu stehen.
Kathrin und Jonas Kathrin ohne Unterstützung auf der Slackline
Na, das war dann wohl doch nichts... Gruppenspiele auf der Jubi

Was ich an der Woche bemerkenswert fand? Vor allem, dass es eine sehr schöne und letztlich erholsame Woche war. Eigentlich war es ein ganz normaler Jugendgruppen-Ausflug. Sich gegenseitig etwas zu helfen, halte ich bei einer Gruppenfahrt für selbstverständlich und der Umgang mit den Behinderten hat sich als viel einfacher herausgestellt, als zunächst vermutet. Nachdem ich noch kein Vater bin und meist mit eher älteren Jugendlichen, so ab 12 Jahren, unterwegs bin, war es etwas ungewohnt für mich, auf solch grundlegende Sachen zu achten, wie darauf, dass niemand friert, genügend gegessen und getrunken wird oder jemanden zu fragen, ob es etwa einmal auf Toilette muss. Andererseits war es ja auch unser Ziel nur soviel zu helfen wie nötig um die Selbständigkeit der Teilnehmer zu fördern. Auf diese Weise habe ich aber auch etwas gelernt, für meine Arbeit als Jugendleiter. Insgesamt bin ich noch etwas sensibler für die Bedürfnisse ander Gruppenmitglieder und eventuell auftretende Schwierigkeiten geworden.
Wir haben uns alle zusammen über unsere Erfolge gefreut, waren zusammen unterwegs, haben uns unterhalten, zusammen gespielt, gelacht und gemeinsam unseren Spaß gehabt.